Tagebuch «Tigri»

Sonntag, 14. Juli 2019

Sonntag
14.07.2019

Glücksbote

Seid gegrüsst, Katzenfreunde



Artemisia und ich verhalten uns so brav und schlau, dass wir uns inzwischen in der ganzen Festung Tag und Nacht frei bewegen dürfen, ohne dass Mina bei jedem Rumpeln aufjuckt, um nachzuschauen, ob wir in Ordnung sind. Wir haben das Vertrauen gewonnen, das fähige, clevere Jungkatzen halt verdienen. 
Nur ins UG darf keine Katze, denn dort wohnen das Auto und gefährliche Maschinen, und man hätte gleich so blödes Sägemehl zwischen den Zehen. Es würde uns da nicht gefallen. Das berichtete jedenfalls Agrippina, die als einzige mal nach unten entwischen konnte. 😏
Vor einigen Tagen haben wir einen neuen Büschel Katzengras erhalten. Artemisia fand es sehr befremdlich, dass sich die grossen Katzen mehr darüber freuten als über einen gefüllten Napf mit Frischfleisch. Ich indes stürzte mich mit Agrippina und Crixus ins Getümmel und knabberte auch an dem Grünzeug. Lecker! 😋 Auch lustig zum Spielen. Mina stellt den umgeworfenen Topf täglich mehrmals wieder auf.
 Am Donnerstagabend machten wir Bekanntschaft mit dem Staubsaugermonster. Zuerst wollte ich mutig sein, wie es sich für einen Helden von Sparta gehört, aber dieses Ding war mir doch sehr unheimlich. Krümel, Haare, Kartonfetzen und Staub verschwanden einfach auf Nimmerwiedersehen in diesem gefrässigen Rüssel. 😯 Ich machte mir Sorgen um die Spielmäuse und wollte mich dem Ungeheuer stellen. Als ich jedoch einsah, dass ich nicht mit Rückendeckung der anderen Katzen rechnen durfte, dachte ich sofort an das Desaster an den Thermopylen und verpieselte mich auch, bis das Staubsaugermonster satt war und in seine Höhle zurückkehrte. Zu meiner grossen Erleichterung fand ich alle Spielmäuse wieder. 
 
Am Samstag düste Mina dann noch husch mit der kleinen Schaufel und der Bürste durch die Bude. Das wiederum fand ich total spannend und half, wo ich nur konnte.
«Nein, nicht… die Schaufel… Danke, nun beginnen wir von vorne.» 🙄
Am Samstag war die Katzenfestung La Rocca so ordentlich, wie mit sechs Katzen und einer schlechten Hausfrau halt möglich. Und wozu? Nun, wir kriegten ganz, ganz wichtigen Besuch!
Artemisia zeigte sich als Fräulein Zart, und es war vor allem an mir, den drei Menschen (zwei Erwachsenen und einem Jungen) zu beweisen, dass wir totale Action bieten und man mit uns zwei richtig lässige Tiger adoptieren würde. 😻 Trotz Schlafenszeit spielte, rannte und sprang ich herum mit vollem Einsatz, zeigte dem Jungen die tollsten Überschläge und Kunststückchen. Artemisia war zwar dabei, aber nicht mittendrin. Sie hat unsere künftige Familie völlig im Dunkeln darüber gelassen, welche Wildsau in ihr steckt.
Indes erklärte Mina den Erwachsenen ausführlich unsere lange Wunschliste. Wir waren nicht bereit, Abstriche zu machen. Zu unser aller Freude teilten die Menschen die Überzeugung, dass es dem Geburtsrecht der Katze entspricht, sie nach Strich und Faden zu verwöhnen und ihr alles zu gestatten, was nicht zu gefährlich für sie ist. 👍In etwa vier Wochen werden wir zu unserer neuen Familie ziehen. Bis dahin haben wir noch viel zu tun: wachsen, lernen, trainieren – und ein Tierarztbesuch fürs Impfen und Chippen steht Ende Monat auch noch auf dem Programm. 
Am späteren Abend kamen wieder zwei fremde und total nette Menschen, die uns unbedingt sehen wollten. Die Frau war von mir überaus angetan. Das schmeichelt dem Ego! 😘
Die Leute waren hier, um Spenden für den Verein der Katzenhaus-Freunde zu bringen. Ihre Katzen sind zu gross für zwei Kratzbäumchen geworden und offenbar extrem mäkelige Esser. Mina war begeistert von der guten Qualität des Futters. Wir halfen ihr später beim Sortieren der vielen Dutzend Beutel und Dosen. Den einen oder anderen Thunfisch haben wir für uns abgezweigt und sofort ein Festmahl veranstaltet! 😄

 
Von diesem ereignisreichen Tag waren wir alle so müde geworden, dass Mina zum ersten Mal seit langem durchschlafen konnte, ohne morgen um 5 von unserem wilden Spiel geweckt zu werden. 

Wie schön, dass heute Sonntag ist! Faulenzen, und nichts als faulenzen ist angesagt. 😉 
Bis zum nächsten Boten,
Eure Tigri

Leonidas
 
Und Artemisia 


 



 



Sonntag, 7. Juli 2019

Sonntag
07.07.2019

kleine Helden

Grüsse, Katzenfreunde!
 
Mein Name ist Artemisia. Ich bin ein 9 Wochen junges Katzenmädchen mit einem Kampfgewicht von aktuell 950 Gramm, Tendenz rasant steigend. Ich bin topfit, neugierig und sehr mutig. Mit etwas Fantasie sehe ich mit meinem edlen Profil, meinen Farben und Punkten aus wie eine kleine Wildkatze. 😏
 Mein Bruder Leonidas ist etwas dunkler, und seine Punkte sind grösser. Man kann uns optisch gut unterscheiden, aber charakterlich sind wir uns ähnlich, daher verstehen wir uns auch blendend. Wir spielen, raufen, entdecken und schlafen zusammen. ❤️

Am Montagabend wurden Leonidas und ich auf unserem Geburtshof eingefangen, und nach einer längeren Reise bezogen wir ein kleines, sehr gut ausgestattetes Quartier in der Katzenfestung La Rocca. Wir schlugen uns gehörig die Bäuche voll, wussten die Katzenklos zu nutzen und suchten uns ein bequemes Plätzchen auf dem Kratzbaum zum Schlafen. Zwischendurch probierten wir die verschiedenen Spielsachen aus. Es gab da noch eine Höhle, aber wir sahen keinen Grund, uns zu verstecken. Sie war mehr Spielplatz als Rückzugsort. 
Ja, wir fühlten uns sofort wohl und liessen uns von Mina, unserer Gastgeberin, gerne streicheln. 👍

In La Rocca wohnen vier Katzen. Sie beäugten uns durchs Gitter. Manche waren mehr, manche weniger begeistert von unserer Anwesenheit. Im Grossen und Ganzen war die Stimmung aber ziemlich entspannt.

Am folgenden Tag unternahmen wir einen Ausflug in die Tierarztpraxis. Abgesehen von ein paar Parasiten wurden wir für gesund erklärt und kriegten schon die erste Impfung. Die Parasiten waren wenige Stunden danach kein Thema mehr. Endlich Schluss mit dem nervigen Scheuern und Schubbern! 😎
Da wir keinerlei Probleme hatten und machten, durften wir nun den Rest des Katzenzimmers mit seinen riesigen Kratzbäumen, hoch über dem Boden gelegenen Catwalks und der Katzenburg entdecken. Das Beste daran ist natürlich die grosse Fläche, wo man richtig rennen, schlittern und toben kann. Hier machen Bällchen und Mäuschen noch viel mehr Spass. Man kann nach Herzenslust purzeln, einander auflauern und erschrecken. Einfach ein Riesenspass! 😄
Auch zu Schlafzimmer und Bad hatten wir nun Zutritt, fanden es da aber nicht so spannend. 
 Am Freitag kam es richtig gut: Am Abend durften wir vom ersten Stock, wo wir bisher gewohnt hatten, ins Erdgeschoss runter. Es gab hier noch mehr zu entdecken und auszuprobieren, und wir begegneten auch öfters den anderen Katzen. Mit den beiden Katern kann man lustig spielen. 😸 Den Katzendamen hingegen geht man lieber aus dem Weg. 🙄
 
Minas Mutti meinte, wir seien noch zu klein für die Treppe und staunte dann nichts schlecht, in welchem Affenzahn wir rauf und runter rasten.
Nachts müssen wir zurück ins Katzenzimmer, was uns nichts ausmacht. Wir sind so müde vom Spielen und Entdecken, dass wir uns ohne jeglichen Protestpieps für eine riesengrosse Kappe voll Schlaf im gewohnten Bäumchen einkuscheln.
Am Samstagvormittag bereiteten wir Mina zum ersten Mal einen Schreckmoment. Ich fand in der Küche ein kleines Schlupfloch und verschwand in der Kombination. Zwar liess ich mich mit Rasselmäusen wieder raus locken, und ich sah überhaupt kein Problem bei meiner Entdeckung, aber Mina war nicht mehr wohl zumute. Sie schloss die Küchentür. 
Ihre Schwester kam zu Besuch, und wie die beiden da im Wohnzimmer plauderten, sagte diese plötzlich: «Die Kleinen sitzen in der Durchreiche.» Man kann sie vom Sofa aus problemlos erreichen und aus dem Küchenfenster schauen. 
«Die springen da nicht runter», meinte Mina zuversichtlich. «Viel zu hoch. Sind doch keine Kami-Katzen.»
Vielleicht nicht, aber ich wurde nach einer der ersten weiblichen Kriegsheldinnen der Geschichte benannt. Artemisia hatte in der berühmten Schlacht von Salamis ein paar Schiffe befehligt. Ihre Seite, Persien, hatte zwar gegen die Griechen verloren, aber sie war schlau genug gewesen, durch eine List zu entkommen. Sie war eine sehr mutige und clevere Kommandantin gewesen.
«Eins ist soeben gesprungen», bemerkte Minas Schwester erstaunt. 
Sie fand mich am Futternapf der grossen Katzen. Der Lohn für meinen Mut! 😋
Seither ist die Küchentür wieder offen – wir lassen uns ja doch nicht aufhalten. 
 
 Schlimme Kopfschmerzen warfen Mina Samstag und Sonntag für mehrere Stunden nieder, und ich nutzte die Gelegenheit, Leonidas mein tolles Versteck in der Küchenkombination zu zeigen. Eigentlich gelangt man da in eine Art Drehschrank, und wir machten es uns zwischen leeren Aufbewahrungsdosen auf einem hölzernen Schneidbrett bequem. 😉
Wieder liessen wir uns mit Spielzeug hervorlocken, aber Mina gefiel gar nicht, was wir da machten. Wenn wir wachsen, könnten wir steckenbleiben, fürchtete sie, oder sie könnte unbedacht die Tür öffnen und uns einklemmen, weil dann automatisch dieses Drehgestell rauskommt! Und so schleppte sie sich in ihre Werkstatt und baute eine protzige Sicherung vor den kleinen Spalt.
Blöd. Aber manchmal muss man wohl kleine Krieger vor ihrem eigenen Mut beschützen. 
 
Bis zum nächsten Mal,
Eure Tigri,
Artemisia
 
 
& Leonidas