Tagebuch «Frères Des Alpes»

Die zwei Brüder wurden im Freien geboren und hatten erst Kontakt mit Menschen, als ihre Mutter sie zum Wintereinbruch in die Wärme eines Wohnwagens führte. Sie sind deshalb noch sehr menschenscheu und machen in der Pflegestelle nur ganz langsam Fortschritte. Sie sind aber trotz ihrer Angst nicht aggressiv, sondern versteinern, sobald jemand in die Nähe kommt. Die Brüder werden zu Zweit oder zu schon vorhandenen, ungefähr gleichaltrigen Katern abgegeben, sie brauchen Freigang oder zumindest einen grossen Garten.

Mittwoch, 14. April 2021

Mittwoch
14.04.2021

Fortschritte und gute Neuigkeiten

Liebes Tagebuch

du wirst es nicht glauben: Ich habe gemerkt, dass Gekrault-Werden sich super toll anfühlt! Wie schon beim "Stängeli-aus-der-Hand-Holen", habe ich auch das "Um-die-Beine-vom-Pflegemami-Streichen" und das "Kraulen-Lassen" bei meiner Freundin Soraya abgeschaut.
Mein Pflegemami hat lange geübt, bis sie einhändig ein paar Fotos machen und gleichzeitig mich kraulen konnte! Dabei muss sie gut darauf achten, nicht mit der Hand auf mich zu zu kommen - ich mag nämlich nur berührt werden, wenn ICH auf die Hand zu gehe!
Aber natürlich hat sie mich fotografiert, nachdem ich die Papierrolle zur Strecke gebracht hatte - ich fand, man könne den Boden hier ruhig mit etwas Weiss dekorieren. Und ausserdem machte es unheimlich Spass, diese Rolle zu zerzausen, während mein Pflegepersonal ruhig schlief!
A propos schlafen: ich habe hier ein Riesenbett entdeckt, und obwohl dort schon der grosse Kater lag, der meist so mürrisch ist, kuschelte ich mich da ein. Wirklich gemütlich!
Letzten Sonntag kam dann Besuch - mein Pflegemami sagte, der sei für mich! So ganz geheuer war mir das natürlich nicht, ich quetschte mich auf meinen Beobachtungsposten im Büchergestell und versuchte, mich unsichtbar zu machen. 
Sie schauten aber immer mal wieder zu mir hoch, so dass ich in einem unbeobachteten Moment die Flucht ergriff. Weil die Tür zum Schlafzimmer aber geschlossen war, konnte ich nicht zu meinem Hochsicherheitsversteck auf dem Kleiderschrank, sondern blieb auf einer Kommode sitzen. Der Besuch kam dann zu mir und sagte mir Hallo - ich war so neugierig, dass ich zuerst an seinem Finger schnupperte, bevor ich ihn doch noch etwas anfauchte. Ja, ich meine, ich will ja genau prüfen, ob meine zukünftigen Menschen mit etwas Fauchen klarkommen oder ob sie schon gleich aufgeben! Die beiden haben die Prüfung aber bestanden, und ich ziehe schon bald zu ihnen und ihrem Kater! 
Bis es so weit ist, spiele ich noch viel mit meinem Lieblingsspielzeug, der Kugelbahn. Oder ich liefere mir mit Soraya Verfolgungsjadgen - sie ist da in den letzten Tagen richtig auf den Geschmack gekommen. 
So, das war's für heute, 
von Pierre Des Alpes

Sonntag, 21. März 2021

Sonntag
21.03.2021

Höhenluft schnuppern

Liebes Tagebuch,

jetzt bin ich also schon eine ganze Woche allein hier. Also, allein natürlich nicht, aber ohne meinen Bruder Basile, ehm, ich meine Yoda. Die Katzen, die sonst noch hier wohnen, lerne ich langsam kennen, und ich meine: wirklich langsam! Die fauchen und knurren nämlich meist, wenn ich zu nah komme. Vor allem die zwei Alten. Die Jüngste hingegen hat mir beigebracht, dass man Leckerstängeli aus den Fingern des Pflegemamis holen kann - wenn ich es nicht auch so gemacht hätte, wäre sie alle selbst holen gegangen und hätte mir nichts übrig gelassen!
Weil ich so lieb bin, darf ich jetzt fast immer den ganzen Tag lang die ganze Wohnung benutzen. Daran finde ich vor allem toll, dass es viele hohe Stellen hat: Das Büchergestell, den Kratzbaum, und im Schlafzimmer den Kleiderschrank mit den Bananankisten oben drauf. 
Ich liebe es nämlich, in luftiger Höhe zu schlafen - da hat man so schön den Überblick!Etwas anderes, das ich gern mache, ist spielen - wenn ich das richtige Spielzeug bekomme, kann ich mich richtig vergessen, da gibt es sogar tolle Bilder von mir!
Ah ja, bevor ich wieder spielen gehe: Ich habe auch gelernt, zur Begrüssung am Finger meines Pflegemamis zu schnuppern. Aber nur zu ganz bestimmten Tageszeiten, und nur an ganz bestimmten Orten. Für mich muss eben alles genau stimmen!

Nächste Woche erzähle ich weiter,
Pierre Des Alpes

Donnerstag, 18. März 2021

Donnerstag
18.03.2021

Gruss von Yoda-Basile

Yoda ist gut gereist und angekommen. Schon nach wenigen Tagen sucht er die Nähe seiner neuen Halterin, läuft ihr nach, setzt sich zu ihr aufs Bett und schläft auch neben ihr. Anfassen geht vermutlich noch nicht, aber sie hat es auch noch nicht ernsthaft versucht, sondern lässt ihm Zeit, von sich aus zu kommen. Lieber Basile-Yoda
du warst nicht allzu lang bei mir, und du hast mir auch nie so ganz über den Weg getraut - trotzdem bist du mir ans Herz gewachsen. Du bist ein süsser, lieber, wenn auch etwas ängstlicher Junge, und ich wünsche dir ganz viele schöne Jahre in deinem neuen Zuhause! Und denk daran, je schneller du den Menschen dort dein Vertrauen schenkst, desto schneller darfst du auch wieder in deinen geliebten Freigang!
Mach's gut!

Sonntag, 14. März 2021

Sonntag
14.03.2021

Tschüss Basile!

Liebes Tagebuch, 

Eine weitere Woche in der Cava Leonis - inzwischen weiss ich, dass es für meinen Bruder die letzte Woche hier war. Wir haben wie immer die Tage verschlafen, ich meist in oder hinter meinem Nest, Basile meist unter dem Katzenbaum; manchmal legte aber auch er sich in mein Nest. 
Wir haben auch ein neues Versteck gefunden - da hat unser Pflegemami eine ganze Weile gesucht, bevor sie die farbige Decke anhob und uns dahinter fand. Sozusagen ein Etagen-Versteck!
Die Nächte hindurch haben wir gefestet, gespielt,  uns aufgelauert und uns verklopft!
Vor zwei Tagen kamen dann die Leute wieder, die schon letzte Woche hier waren. Sie sprachen mit unserem Pflegemami, unterschrieben irgendwelche Papiere, und setzten sie dann gespannt aufs Sofa, während unser Pflegemami, Transportbox in der Hand, sich daran machte, uns einzufangen! Ich verhielt mich ganz ganz ganz still in meinem alten Versteck!Als Basile nach einer Weile dann in einer Box sass, setzte sich unser Pflegemami wieder hin und vergass völlig, mich auch noch einzufangen! Da hab ich ja noch einmal Glück gehabt - ich vermisse meinen Bruder zwar schon ein wenig, aber in eine Transportbox? Da kann man ja irgendwohin getragen werden! Irgendwann merkte ich dann, dass es wohl von Anfang an nicht geplant war, dass ich auch ausziehe, denn Basile bekam auch einen neuen Namen: Er heisst jetzt Yoda!
Ich bleibe für den Moment der Pierre und bleibe meinem gewohnten Lebensstil treu. Am liebsten hoch oben auf dem grössten Kratzbaum!

Habt eine gute Wochen, euer Pierre Des Alpes

Montag, 8. März 2021

Montag
08.03.2021

Viel Besuch!

Liebes Tagebuch, 

in den letzten Tagen hatten wir ganz viel Besuch! Zuerst kam der Mann, bei dem wir früher wohnten, vorbei. Er wollte wohl schauen, wie es uns geht, und natürlich brachte er uns wieder von unseren Lieblingsleckerli mit. 
Basile war wie immer sehr skeptisch, aber ich blieb sitzen - Leckerli mag ich nämlich sehr! Erst als der Mann mir dann etwas gar zu nahe kam und mich sogar berühren wollte, wehrte ich mich. Für etwas habe ich ja krallen, und fauchen kann ich auch, wenn ich das auch sehr selten mache. Zwei Tage später kam dann Besuch für Basile: Zwei liebe, verständnisvolle Frauen. Und im Gegensatz zum vorherigen Besuch, war dieses Mal Basil der Neugierigere! Die beiden waren ganz begeistert von ihm. Mein Pflegemami hatte aber noch von Interessenten gehört, die uns vielleicht beide zusammen adoptieren wollten. Diese kamen dann am nächsten Tag. Auch diesen traute ich nicht so recht - schliesslich habe ich mich hier gerade so einigermassen eingelebt. Basil fand aber auch diese Leute interessant genug, um aus seinem Versteck zu kommen. 
Zuerst sah es ganz so aus, dass wir zusammen zu dieser Familie ziehen könnten, aber sie meinten dann doch, bei ihnen wäre es für uns beide wohl zu hektisch. Dafür freuten sich die beiden Frauen, die Basil zu sich und ihrem Kater holen wollen - dieser sieht übrigens fast gleich aus wie Basile! 

Über all diesem Besuch hätte ich fast zu erwähnen vergessen, dass wir seit einer Woche immer wieder aus unserem Zimmer hinaus dürfen. Am ersten Abend schauten wir nur kurz hinaus, aber es war uns zu unheimlich. Inzwischen habe ich den grossen Kratzbaum kennen und lieben gelernt! 
Und auch Basile kommt gern erkunden - sobald uns etwas unheimlich ist, schleichen wir uns aber schnell schnell zurück in unser sicheres Zimmer. 
Dort chillen wir manchmal zusammen, jeder hat aber auch seinen separaten Lieblingsplatz.
So, das waren mal wieder unsere Neuigkeiten. Jetzt hoffe ich, es finde sich dann auch für mich noch eine neue Familie, aber es pressiert mir nicht allzu sehr.
Macht's gut,
euer Pierre Des Alpes

Sonntag, 28. Februar 2021

Sonntag
28.02.2021

Tierärzte mag ich gar nicht!

Liebes Tagebuch,
 
 Vor ein paar Tagen war hier die Hölle los! Da kam unsere Pflegemutter einfach so ins Zimmer, ohne uns beschwichtigen zu wollen, und stellte mir eine Transportbox vor die Nase! Also das heisst, sie versuchte es: noch bevor die Box auf dem Boden stand, war ich natürlich in der anderen Ecke des Zimmers! Sie versuchte es noch einmal vergebens, und dann wurde sie ganz fies! Sie fing mich mit einem Netz ein! Sooo fies!! Aber hey, ich trickste sie auch da aus und drückte mich zwischen Box und Fensterrahmen weg, als sie mich vom Netz in die Box bringen wollte 😎
Inzwischen war Pierre in sein altes Versteck gekrochen, und da blieb er, bis seine Box davor platziert war und ihm keine Wahl blieb, als da einzusteigen. 
Diese Pause nutzte ich, mich gaaanz gut zu verstecken - nämlich in meiner alten Tranportbox. Dummerweise schloss sich da dann plötzlich das Türchen (ich weiss nicht so genau wie, denn die Pflegemutter war gar nicht wirklich nahe gekommen! Ob wohl die Schnur, die da durch die Box lief, etwas damit zu tun hatte?).
 
An die nächste Stunde erinnere ich mich lieber nicht so genau, jedenfalls war ich nachher nicht der einzige, der hechelte und erschöpft war: auch zwei oder drei Leute von der Tierklinik waren sehr gefordert! 
Immerhin sagt meine Pflegemutter, wenn alles gut gehe, müsse ich erst in einem Jahr wieder zum Tierarzt. Das ist doch schon etwas. Und noch etwas: Für uns hat sich Besuch angekündigt. Da sind wir ja mal gespannt.
 
Bis auf Weiteres, euer Basile Des Alpes


Sonntag, 21. Februar 2021

Sonntag
21.02.2021

Wir sind die Brüder Des Alpes

Liebes Tagebuch, 

Ich weiss gar nicht so recht, wo ich anfange soll. Früher lebten wir nämlich ganz woanders, und da gab es keine Tagebücher. Nur einen netten Mann, der uns und ein paar andere Katzen in einem Wohnwagen schlafen liess, als der Winter einbrach. Und noch vorher waren wir mit unserer Mutter immer im Freien und hatten mit diesen Zweibeinern so gut wie keinen Kontakt. 
Dann aber passierte etwas, an das wir uns nur schwach erinnern, und wir zwei fanden uns hier in der Cava Leonis wieder. Am Anfang trauten wir uns gar nicht aus unserer Transportbox raus. 
Bei unseren ersten Erkundungstouren fanden wir dann aber andere Verstecke, wobei Basile sich noch heute gern in die Transportbox zurück zieht. Ich hingegen finde Verstecke nicht mehr ganz so wichtig und bleibe meist sitzen, wenn unsere Pflegemutter rein kommt. Vor allem, wenn sie Futter oder Leckerli dabei hat. 
Wir bekamen hier auch neue Namen: mein Bruder heisst jetzt Basile und ich Pierre, nicht mehr der Schwarze und der Tiger. Basil hat schöne weisse Socken, und diese heissen auf Französisch «bas», und mein Name bedeutet «Stein» - in den ersten Tagen habe ich mich nämlich wie versteinert auf den Boden gedrückt, jedes Mal, wenn ich ausserhalb meines Versteckes überrascht wurde. 
Einen Familiennamen haben wir auch bekommen: Des Alpes, nach dem Hotel, aus dessen Nähe wir kommen. – Am Anfang hier haben wir uns so wenig bewegt, dass unsere Pflegemutter einen Wildtierkamera aufgetellt hat. Die Bilder sind zwar nicht sehr gut, aber man sieht doch, dass wir auch ganz entspannt und neugierig sein können. 

Langsam kennen wir die Routine hier. Wenn unsere Pflegemutter hereinkommt, öffnet sie das Fenster, nimmt unsern Teller mit, und geht wieder. Dann haben wir eine Weile Zeit, aus dem Fenster zu schauen, bis sie mit dem neuen Futter wiederkommt, unsere Klos putzt, und dann irgendwann das Fenster wieder schliesst. Zwischendurch wirft sie uns auch Leckerli hin oder versucht, uns zum Spielen zu animieren, aber das ist uns noch nicht geheuer. 
Jetzt sind wir gespannt, ob sich jemand für uns interessiert, obwohl wir noch soooo scheu sind und lange brauchen werden, bis wir den Menschen vertrauen. Wichtig ist uns aber, dass wir Katzengesellschaft haben und irgendwann wieder unseren geliebten Freigang geniessen dürfen!

Das wärs mal für heute, 

von Pierre Des Alpes